Montag, 13. Mai 2013

Todgelaubt und schnell abgehaut!

Vorwort: Eine alte Geschichte in ein neuen Kleid gezwängt. Die Thematiken darin werden wohl nie alt. Die mangelnde Rücksicht und Botschaft der Geschichte ärgerlicherweise wohl schon. Zeit dem abermals ein Ende zu setzten und euch das Ganze nochmal neu zu erzählen. Es ist eines meiner liebsten Werke bisher.
Viel Freude beim lesen und eintauchen.

Todgelaubt und schnell abgehaut!


Die folgende Geschichte begibt sich zu einer Zeit,
Zu welcher sich für eine Reise Monat an Monat reiht.

Wobei das Beschriebene keines Falls für mangelnde Aktualität steht,
Eher dafür, dass so manches Problem auch Jahrtausende übersteht.

Blauer Himmel, die Sonne scheint;
"Da hat es einer mit mir gutgemeint!"

Sagt der Wanderer lachend vor sich hin,
Und reibt sich dabei den Bart am Kinn.

Der Reisende will einem alten Freund eine Freude bereiten,
Das ist der Grund für ihn, diese weite Route zu bestreiten,

Frohen Herzens geht er schon mehrere Tage lang,
Stets frohlockt er auf dem Weg mit lautem Gesang.

Ganz alleine auf idyllischer, weiter Streck,
Da springen sie hervor, aus ihrem Versteck,

Bewaffnet mit Lanze, Säbel und Knüppel,
Schlagen sie ihn blutrünstig zum Krüppel.

Die Täter rauben ihm sein gesamtes Hab und Gut,
Seine Sicherheit, beinahe auch den Lebensmut.

So liegt er nun nackt, grün und blau geschlagen,
Neben seiner eigenen Blutlache im Straßengraben.

Zurückgelassen unter kreisenden Raben,
Zu kraftlos um den Schmerz zu beklagen.

Ausgeraubt,
Ausgelaugt,
Todgelaubt,
und schnell abgehaut.
____________________________

Es nähern sich langsam Schritte, es ist ein Protestant.
Er sah das Elend und wechselt zum anderen Straßenrand.

Sein schreiendes Gewissen stopft dieser mit hohlen Ausreden,
Würde er helfen würde er sich doch zum Gottesdienst verspäten.

Aber jeden Sonntag will er in die Kirche gehen,
Und meinen das Gepredigte dort zu verstehen.

„Nächstenliebe ist etwas für die, welche Zeit haben,
Oder nein, eher nur für die mit den sozialen Gaben.“

Ausgeraubt,
Weggeschaut,
Todgelaubt,
Und schnell abgehaut.
____________________________

Wieder nähern sich Schritte, es ist ein Katholik,
"Ein Notleidender", erkennt dieser auf den ersten Blick.

Zu ihm hin geht er aber trotz seines analytischen Blickes nicht,
"Selbst wird er schuld sein!" spricht sein abweisendes Gesicht.

"Die Räuber könnten ja auch noch in der Nähe sein"
Rechtfertigt er heuchlerisch seine unterdrückt Pein.

Nicht einmal zu seiner Beichte wird er diese Geschichte bringen,
Er wird Zeit seines Lebens nie sein schlechtes Gewissen bezwingen.

Leid erkannt,
Blick abgewannt,
Not verkannt,
Weggerannt.
____________________________

Die Augen des Beraubten schließen sich, fast ist er Tod,
Verreckend im Straßengaben zwischen Müll und Kot.

Mit dem Leben und seinen vermeintlichen Nächsten schon abgeschlossen,
"So geht mein Leben also zu Ende, gleich ist 's vorbei“, denkt er verdrossen.

Jeder Atemzug schmerzt,
Da rüttelt ihn einer beherzt.

"Hallo? Kann ich helfen?" fragt ein Fremder,
"Doch noch Hoffnung! Doch ein Hilfespender!"

Der Retter desinfiziert und verbindet ihm seine Wunden,
Klopft den Dreck ab, nimmt ihn hoch, den Geschundenen.

Er bringt ihn sogleich ins nächstgelegene Krankenhaus,
Zahlt dort die Behandlung aus eigener Tasche, schon mal im Voraus.

Und sollte die Vorauskasse für die Kostendeckung nicht reichen,
Wird er den Mehrpreis per hinterlegtem Bankeinzug automatisch begleichen.

Der Ausgeraubte,
Vormals Todgelaubte,
Und Hoffnung beraubte,
Der nun zum überleben Erlaubte,

Er kann das Glück seiner Rettung in letzter Minute, kaum glauben.
Lag er bis eben doch noch zwischen gleichgültig pickenden Tauben.

Die "hochheiligen" Herrschaften gingen rücksichtslos vorüber,
Einzig der Fremde beugte, der sich dem Verletzten mitleidig über.

Egal wer da lag, es war sein Nächster, den der Fremde nicht einfach liegen lies,
Die Anderen schlossen die Tür selbst hinter sich, sitzen nun im Schuldverlies.

Die Beiden werden am Ende ihres Lebens namenlos vergehen,
Der Fremde und der Gerettete jedoch, diese werden bestehen.

Für diese Beiden werden die Namen im Buch des Lebens stehen,
Die Zwei werden sich früher oder später freudig wieder sehen.




servas & by niesreiz (original written by niesreiz)
Alle von mir geschriebenen Texte sind frei von copyright!

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