Freitag, 16. November 2012

Kostprobe aus dem Poetenschädel

Vorwort: Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was sich so alles im Kopf des unscheinbar Nächsten alles so abspielt. Und vor allem wie und warum. Schon fast philosophisch müsste man sich dem Thema nähern um überhaupt nur ein bisschen Licht in das Dunkel eines Schädels zu bekommen. Wie sehr würde dann erst der Schädel eines Poeten herausfordern? Hier ist findet sich vielleicht eine Antwort darauf.

Kostprobe aus dem Poetenschädel

Was geht in einem Poetenschädel so vor sich?
Herrscht dort das Chaos oder ist es ordentlich?

Die Einen meinen, ohne Ordnung sei das schreiben und dichten hoffnungslos,
Die Anderen vertreten strickt den Standpunkt: Nur ein Genie beherrscht das Chaos.

Keine dieser zwei Postionen lässt sich als die absolut Richtige benennen,
Es gibt solche und solche, das muss jeder Poet für sich selbst erkennen.

Doch wenn der Erste, initiale Geistesblitz im Poetenschädel seine Wirkung entfaltet,
Dann wir die Problematik schnell klar, was sich für einen Poeten schwierig gestaltet.

Imaginäre Donner folgen schmetternd auf die Blitze,
Zügellos wirkende Inspiration ergreift von ihm Besitze.

So wütet es, dass Ideengewitter,
Bis auf das, das Hirn erzitter'.

"Wohin nur, wohin nur mit all den Gedanken und Ideen,
Bloß keinen verlieren, bloß keinen der Blitze übersehen.

Papier, Stift und PoetenSinn, schnell(!), zu mir,
Bevor es mir ein weiterer Blitz wieder ausradier'."

Viel zu begrenzt ist die gedankliche Kapazität,
Wenn Mutter Inspiration ihre Keimlinge aussäht.

Donner um Donner, Blitz um Blitz, das schafft wahre Wortgewalt,
Und man hört schon in der Ferne, wie bereits das nächste Gewitter hallt.

Ein Hirnrekorder, das wäre die Erfindung des Jahrhunderts,
Stattdessen bauen wir lieber künstliche Hirne, aber wenn wunderts,

Der Mensch war schon immer für ein paar abgefahrene Paradoxen gut,
Kreativität, sie ist das Größte, vor ihr zeihe ich meinen Hut.

Das gedankliche, überraschende Wetterphänomen wütet weiter,
Was wäre ein Dichter bloß ohne seinem kreativen Begleiter.

So küsst ihn die Muse,
Öffnete ihm ihre Bluse,

Gewährt mir so den vollen Zugang zu ihrer wundervollen Pracht.
Er behandelt sie selbstverständlich, mit angemessen viel Bedacht.

Er kann es sich nicht leisten, dass sie ihm ihre Gunst nicht mehr gewährt,
So entsteht der Fluss der Poesie, der Niederschlag des Gewitters hat sich bewährt.

Inspirationen verwalten, sich durch ihre überraschenden Ideen bereichern lassen,
„Oh, du holde Kreativität, wie nur kann ich noch mehr deines Reichtums erfassen?

Niemals könnte ich mich gegen dich auflehnen, gegen dich rebellieren,
Wärst du es doch, welche mich lässt derartige Rebellionsgedanken kreieren.“

So schreibt der Dichter Epik, Dramatik und Poesie mit all den jenen Eigenheiten,
Die Lyrik bieten hierfür unzählig Wege um frohen Mutes voranzuschreiten.

Zu oft wird die Zeit eines Menschenleben wertlos verschwendet,
Hat den Bezug zu wahrhaftiger Schönheit verloren und verendet.

All die Präzision der ineinander fassenden chaotisch wirkenden Ordnung der Natur,
Die Komposition der Welt, sie ist perfekt verfasst, völlig egal ob in Moll oder Dur.

Kein Mensch ist allein zu irgendetwas fähig,
Stets ist er von der Kreativität abhängig.

Darum möchte ich ihr als Dauerabonnement nichts Schuldig bleiben,
Will von ihrem Reichtum, welchen sie mir schenkt, weiter verbreiten.

Jeder sollte von den wohl schmeckenden Backwaren der „Lyrik“ probieren,
Möglichst bevor sie die notwendigen Geschmacksknospen dafür verlieren.

Jeder Text, eines Poeten, ist ein köstlicher Kuchen,
Und ihr dürft jeden, dieser Meisterwerke versuchen.

Auf dass euch ein jeder Kuchen wohl mundet,
Mal sehen, wie ihr nun mein Gebäck befundet.


servas & by niesreiz (original written by niesreiz)
Alle von mir geschriebenen Texte sind frei von copyright! 

Freitag, 9. November 2012

Der heilige Mammon

Vorwort: Dieser Text stellt sich genau gegen diese Situation, wenn man zum Beispiel bei einem Versicherungsmarker, Vermögensberater oder Autoverkäufer sitzt und unter dem Gespräch sieht, wie er geistig abschweift und wohl seine näherrückende, mögliche Provision im Kopf überschlägt. Für den Moment, wenn man in seinem Geist die Kasse klingeln hört und sich die Pupillen durch Dollar- bzw. Eurozeichen ersetzten. Genau für diese Situation und dem was dahinter steckt ist der folgende Text geschrieben worden.

Der heilige Mammon

Kapitalismus wird zur Religion,
Preist ihn, den heiligen Mammon!

Jeden Samstag auf neue, flattern sie ins Haus,
Produktinformationen und Kaufempfehlungen nennt sich dieser Graus

Papier, welches mir das Sparen vorrechnet,
„Kaufen sie jetzt bei uns, investieren sie ihr Geld ausgezeichnet.“

„5555 Euro können sie bei uns sparen,
[Kleingedruckt] Aber nur ab 50000 Euro, und nur bei bestimmten Waren.“

Wie viel Geld spare ich erst, wenn ich gar nichts kaufe,
Was ich vielleicht sowieso gerade nicht brauche.

Einkäufe ohne Notwendigkeit, ohne Sinn und Verstand,
Mammon sagt: „Scheiß egal, leg einfach alles aufs Band.“

„Stopfe ihn voll den Warenkorb im Internet,
Und es werden dir nicht einmal die Versandkosten dafür berechnet.“

Bares reicht nicht aus, die Kreditkarte wird gezückt,
Der Kauf neuer, teurer und prestigeträchtiger Waren zu sehr entzückt,

Als dass man das schlechte Gewissen nach Vernunft schreien hört,
Darauf basiert unser Finanzleben, ist das nicht gestört?

Mein Geldbeutel gähnt mich immer nur aufs neue an,
Ich kann mich selbst schon nicht mehr lösen aus des Mammons Bann.

Das Glücksgefühl neuer Waren, will ich nicht mehr missen,
Ich muss schnell was kaufen, sonst wird es wieder lauter, das Gewissen.

Es ruft: „Nein, leg dein Geld doch lieber sinnvoll an!“
Aber ich kontere gekonnt: „Nööö! An mein hart verdientes Geld lasse ich keinen Banker ran!“

„Die sind doch erst recht die Handlanger der Geiz- und Gier-Instituten“
„Das widerspräche all meinen persönlich festgelegten Statuten!“

Alles dreht sich nur noch ums Geld,
Als wäre es das Einzigste was zählt auf dieser Welt.

Was ist aus den Werten wie Freundschaft, Tugendhaftigkeit und Nächstenliebe geworden?
Sind diese etwa auch der Globalisierung gefolgt, in Billiglohnländer, in den Süd-Osten?

Wenn ich mir ansehe, wie die Menschen dort von den Konzernen behandelt werden,
Am Ende des Arbeitsverhältnisses erwartet sie nur ein großer Berg aus Scherben.

Sie hatten keine Kindheit, keine Zeit für Religion oder Kultur,
Fanden nie Genuss am Leben, wie zum Beispiel in der Schönheit guter Literatur.

Was aber stets wichtig war, das war die Konjunktur,
Selbstverständlich ohne Rücksicht auf die „unwichtige“ Natur.

Was jucken uns schon so ein paar Grad globaler Erderwärmung,
Gewinnt man doch für die Idee, „nie wieder Kratzen!“, jedermanns Zustimmung.

Dabei wird jedoch konsequent unterschlagen,
Dass wir dann nicht mehr laufen, sondern nur noch durch das Wasser waten.

Denn das gesamte Packeis und die majestätischen Gletscher sind abgetaut,
„Ach... an der Prognose haben wir wohl immer vorbeigeschaut?“

Opportunismus nennt man diese rücksichtslose Einstellung,
Das heißt, Triebmittel und Entscheidend ist nur die eigene Bevorzugung.

Kein gewinnorientiertes Unternehmen wird dir etwas schenken,
Eher wird es dich in der Produktnutzungsfreiheit weiter einschränken,

Als du es eh schon genug bist, was für ein Frust!
Und wenn du tatsächlich mehr willst, du erst wieder löhnen musst.

Geld, Geld, Geld,
Geld regiert die Welt.

Erkenne ich diese Regierung als die meine an?
Oder stelle ich mich ihr, wie ein Mann!

Nicht nur Männer braucht es im Kampf gegen Mammons Herrschaft,
Auch Frauen müssen ran, damit es das Böse dahinrafft,

Mammon ist die Ausgeburt von den menschlichen Trieben Gier und Geiz.
Wenn ich sehe was er aus den Menschen macht, kriege ich einen Brechreiz.

Wie sie all ihre Prinzipien über Bord werfen und das für lau,
Familienväter verkaufen ihre Kinder oder sogar ihre Ehefrau.

Zerstören jeglichen Halt und alle Liebe in ihrem Umfeld,
Und merken nicht, wie ihr Leben in tausend kleine Stücke zerfällt.

Lange sind sie schon am rettenden Wendepunkt der Misere vorbei gerannt,
Den Rückweg sieht aber nur jener, der Mammon als seinen Gegner hat erkannt.

<<>> 

Es gibt nur einen richtigen Weg aus diesem Leben, aus diesem ganzen Trott,
Erkaufen ist nicht drin: MasterCard, Visa und AmericanExpress, alles nur Schrott.

Das letzte Hemd in deinem Leben hat keine Taschen,
Ich rede kein wirres Zeug, das sind Tatsachen!

Das einzige mit tatsächlichem Wert in deinem Leben ist das was du bist,
Und die Zeit, die dir hier auf Erden für dein Leben gegeben ist.

Vergesse nie, auch diese Zeit ist begrenzt, also mach was gescheites daraus
Oder du blickst einmal auf den Leben zurück und dich überkommt der Graus.

Am Ende hast du den falschen Gott angebetet, bist dem falschen Ideal nachgerannt,
Und du kannst nicht einmal sagen, es hätte dich nie Jemand davor gewarnt.

Ich möchte kein Kapitalist sein, wie eine Marionette vom Gelde regiert,
Lieber blicke ich mal auf mein Leben zurück und sage: „Ja, das Leben hat sich rentiert!“


servas & by niesreiz (original written by niesreiz)
Alle von mir geschriebenen Texte sind frei von copyright! 

Mittwoch, 30. Mai 2012

Servus!

Servus zusammen,

letzthin sprach mich jemand auf meine liebste Grußformel mit dem Wortlaut "Servus" hin an und meinte: "Hey, du weißt schon das du den anderen damit als Sklaven grüßt und das eigentlich ein "niederer" Gruß ist und deshalb schon extrem unhöflich ist?" Sichtlich überrascht von dem Wissen  Desjenigen, der mich da belehrte phrasierte ich prompt, mit einer rechts hochgezogenen Augenbraue: "Sind wir nicht alle Sklaven von irgendwas oder irgendjemanden?" Das Gespräch, das Thema war somit genauso schnell beendet, wie es begann, glücklicherweise. Denn, meine Gedanken drehten sich schlagartig nur noch um das eine: "Wovon bin ich ein Sklave, was macht mich zum Untertan, was hat die Macht über mich?"

Philosophische und theologische Gedankenspiele entfalteten sich in meinem Geist und kapselten mich mal wieder radikal von meiner Umwelt ab. Ich denke an afroamerikanische Sklaven, welche von Weißen zur Zwangsarbeit misshandelt wurden und an ihre Aufstände und Bürgerrechtsaktivisten. Ich denke an die Worte in der Bibel, dass ein Christ ein Sklave des Herrn sein soll und ausschließlich ihm dienen soll. Ich dachte an menschenunwürdige Ausbeutung und gewissenloser Bereicherung auf kosten von vielen Unschuldigen. An gewissenlose Geschäftemacher, welche nur ihren Reichtum und Profit sehen, aber nicht der Menschen, der ihn erarbeitet. Mir schallt das Sklavendasein von Pornographie im Schädel, welche falsche Maßstäbe und Vorstellungen in die Köpfe der Konsumenten brennt. Mir kommen Prostituierte und ähnlich fehlgeleitete Persönlichkeiten in den Sinn, welche tief in einem weltweiten Sumpf der Menschenschrieberrei und kranken, sexuellen Machtspielchen noch schlimmer fehlgeleiteter Männer stecken. Und ich denke an die Dinge und Einflüsse, welche uns so sein lassen, wie wir letztendlich sind.

Sklaven der Angst, Sklaven des Mammon/Dollar/Euro, Sklaven der Habgier, Sklaven der Selbstsucht, Sklaven des Leistungsdrucks, Sklaven der Werbeindustrie, Sklaven von Macht- und Egospielchen und so weiter. Mit hunderten weiteren Sklaventreibern würde sich die Liste fortführen lassen. Immer sind es Kräfte, Mächte und  Eindrücke welche maßgeblich Einfluss auf unser Denken und Handeln haben wollen. Doch wollen sie uns , bis auf einige wenige Ausnahmen,  nichts gutes. Stattdessen wollen sie nur sich selbst bereichern, so wie die ehemaligen Kolonialherren des alten Europas im Industriezeitalter.

Wikipedia schreibt: "Er kommt aus dem Lateinischen (servus, lat: „der Sklave“, „der Knecht“) und bedeutet in Kurzform „Ich bin Dein Diener“ oder „zu Diensten“." Aus diesem Standpunkt zeigt sich erst der Trugschluss, des Belehrenden im ersten Absatz. Es heißt eigentlich, dass der Grüßende der Sklave ist und nicht der Gegrüßte. Aber das hält mich nicht vom Weiterdenken ab.

Würde ich mir das direkt in meinen Sprachduktus übertragen, würden wahrscheinlich die Meisten schief gucken. Es wäre einfach zu ungewöhnlich, meinem Nächsten zum Gruße eine solche Formel zu entgegnen. "Ich bin dein Diener, Günther!" - "Zu Diensten, KFZ-Meister, welcher mit die defekte Birne an meinem Auto wechselt!" Schon schräg, wie ich auf den ersten, ja, sogar auf den zweiten Blick empfinde.

Aber wie ist es, wenn ich mal weiter darüber nachdenke. Was steckt wirklich hinter dieser Haltung. Und Apropos "meinem Nächsten" - steckt das nicht eine tiefere, biblische Aussage dahinter?!

Als Christ mache ich mir häufig über nüchtern-weltlich betrachtete "belanglose" Dinge mehr Gedanken, als es vielleicht zu erwarten ist - aber gerade diese, meist philosophisch, theologisch und historisch fundierte Gedanken machen so einen Spaß, das es mir zu einem meiner liebsten Hobbys geworden ist, sofern man dies als ein Solches nennen kann. Das noch kombiniert mir Linguistik und Lyrik - und mein Gesicht strahlt wahre Freude aus. Aber das nur nebenbei, zur Erklärung. Des Weiteren wachse ich selbst an vielen solcher Gedanken geistig weiter und gibt mir das Gefühl, etwas bereicherndes mit meinen Ressourcen angefangen zu haben. Auch wenn es sich in jenen Fällen nicht um klassisches Auspowern / den üblichen Energieabbau im sportlichen Sinne geht.

Aus christlicher Sicht ist "Servus" eigentlich eine der besten, würdigsten und passendsten Grußformeln, welche man überhaupt wählen könnte. Zudem kommt, dass man damit auch nicht an Tages- oder Jahreszeiten und Hallo-Formel oder Tschüss-Formel gebunden ist. Aus dem geschichtlichen Aspekt ist man nicht einmal an eine Hierarchie gebunden - da "Servus" in der Vergangenheit selbst in der bayrischen Elite, wie dem ehem. Herrschaftshaus oder den dazugehörigen Aristokraten üblich war. Letztendlich drückt "Servus" eine freundliche, zuvorkommende, allround Grußformel mit, meiner Meinung nach, tollem Klang aus.

Weiter gedacht drückt es aber auch eine echt biblische Haltung gegenüber dem Nächsten aus - auch wenn ein Servus vorrangig bis ausschließlich gegenüber dem Grüßenden sympathischen Menschen geäußert wird.

Auch wenn man sich jetzt nicht sehr mit dem christlichen Glauben persönlich identifizieren mag, ist das Gesetzt der Nächstenliebe das überhaupt vernünftigste was je unter der Menschheit verbreitet worden ist. Biblische Werte und Moral bilden auch das Grundgerüst für das deutsche Grundgesetz. Und wenn es, aus unchristlicher Sicht, Jesus wirklich gegeben hat - und er auch stets das sagte und das getan hat, was da in der Bibel seht, dann ist er auch das beste Vorbild überhaupt. Das wäre es sogar, wenn es ihn nicht gegeben hätte und die Bibel bloß ein Märchen wäre.

Versteht mich nicht falsch. Ich versuche den Nicht-Christen zu vermitteln, dass selbst wenn sie nicht daran glauben sollte, der Inhalt der Bibel stets höchst lehrreicher Natur ist. Darum habe ich die folgenden drei Bibelstellen, welche die "Servus-Thematik" ansprechen herausgesucht.

" Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient." Lukas 22,27 EU
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.  Markus 10,45 EU
Darauf wird der König ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr für mich getan. Matthäus 25,40  NGÜ

Alle drei Aussagen sprechen eine äußerst hohe Form der Nächstenliebe an. Sie sprechen an, dass wir uns an Jesus ein Beispiel nehmen sollen, ihn als Vorbild für unser Leben einsetzten sollen und sich Hass und derartiges Verhalten gegen dieses Idealbild stellt. Jesus sagt zu den Christen, dass sie all den Menschen, welchen sie begegnen immer dienlich sein sollen. 


"Und wenn jemand von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm."  Matthäus 5,41 NGÜ

Selbst wenn der Nächste / der Gegenüber nur sein Bestes im Sinn hat, soll man ihn nicht abweisen, sondern mit ihm weiter gehen, als er es verlangt hat. "Mission: Leben" nennt sich so etwas unter Christen. Durch eigenes, "liebenswürdiges" Verhalten gegenüber dem Nächsten wird er einen Selbst auch höher schätzten.


Ich bin mir aber auch durchaus bewusst, dass es nun auch Menschen gibt, welche einen wirklich nur ausnutzten wollen. Sie lassen sich nicht durch das "dienliche", nächstenliebende Verhalten zu einer besseren Persönlichkeit bewegen. Letztendlich geht es auch nicht darum, dass der Christ (und jetzt kommt ein Nicht-Christ nicht mehr mit) ein Sklave des Herrn ist und in seinem Auftrag den Dienst am Nächsten verübt. Doch stellt sich einer dieser ausnützenden Missetäter gegen uns, gegen den Herren der Christsklaven, so wird er auch keine entsprechende Unterstützung von den Christen, in seinem egoistischem Sinn bekommen. Schließlich wurden die Gottesgläubigen (im Alten Testament noch Juden) aus der Tyrannei des Pharaos von Ägypten auch von Mose in die Freiheit geführt.

Nach dieser theologisch-geistlichen Exkursion lässt sich eigentlich nur noch eines erwähnen.

Mein liebster-, allround-Gruß hat ein festes Fundament auf festem Grund. Und keiner wird es mir zerstören können. Egal ob er nach einer "menschlichen" Hierarchie über mir "verkehrt" oder einen fraglich schlauen Spruch auf den Gruß "Servus" hat.


servas & by niesreiz (original written by niesreiz)
Alle von mir geschriebenen Texte sind frei von copyright! 

Montag, 12. März 2012

Einheitsbrei? PfuiBäh! Das schmeckt doch nicht!

"Du bist irgendwie anders!"

"Du denkst so viel... und auf was für schräge Sachen du kommst?!"

"Wie bist du den drauf?"
"Du hast dich verändert."


Wie oft höre ich diese, beziehungsweise ähnliche Fragen? Wie sehr sind diese Fragen in ihrer Häufigkeit in den letzten Monaten gestiegen? Ich habe aufgehört diese zwei Fragen, welche ich mir stelle, ernsthaft beantworten zu wollen. Sie stiegen in ihren Variationen und in ihrer Häufigkeit einfach immer weiter an. Auch die Zahl derer, welche diese Fragen stellen stiegt an. 

Aber wollen diese Fragen wirklich ehrliche Antworten oder sollen sie mir etwas sagen? Ich habe das Gefühl ich passe nicht mehr dazu. Wozu passe ich nicht mehr? Ja, das ist eine schwierige Frage.

Das Leben ist wie ein Buffet. Es scheint aber nur eine einzige Speise zu geben, dafür aber unheimlich viel davon. Das Leben ist ein riesen großes Buffet mit Einheitsbrei. Kein Grießbrei, kein Milchreis keine Häppchen, nur Einheitsbrei. Wohlgemerkt, er kostet nichts. Und irgendwie scheint es allen Anderen so furchtbar gut zu schmecken, dass sie sich alle samt auf dieses riesen Buffet stürzen. 

Warum ist es dann ein Buffet, wenn es nur Einheitsbrei gibt? Nun, den Einheitsbrei gibt es aus vielen schönen Schalen und Schüsseln. Und jeder Einheitsbrei ist mit einer anderen Farbe versetzt. Es gibt roten Einheitsbrei, blauen Einheitsbrei, gelben Einheitsbrei, rosa Einheitsbrei und sogar pinken Einheitsbrei, wobei dieser sich für mich nicht ganz vom rosa Einheitsbrei unterscheiden lässt. Aber gut, da zeigt sich mal wieder, dass ich wohl doch nur ein Mann bin. 

Nachdem nun alle an das Buffet rennen, und auch schnell jeder seinen Lieblingseinheitsbrei gefunden hat wage ich mich nun auch an die angerichtete Kost. Ich konnte mich natürlich nicht für eine Farbe, so wie die Anderen entscheiden und nahm von verschiedenen je einen Löffel. Ich ging mit meiner Regenbogenschüssel zurück an meinen Platz und probierte davon. 

Gelb, schmeckt nicht. Rot, schmeckt nicht. Grün, schmeckt auch nicht. Braun, schmeckt genauso wenig. Alles schmeckt gleich. Alles schmeckt nach Nichts und Nichts davon schmeckt mir. Ich bin gleich wieder zum Buffet gegangen und habe die Farben, welche ich beim ersten Gang nicht mitnahm auch noch probiert, keine schmeckte. Nichtmal unterschiedlich hat es geschmeckt. Grauenhaft!

Also, was habe ich gemacht? Ich bin zum Koch marschiert. "Koch," habe ich gesagt, "Koch, sag mal, hast du deine Speisen überhaupt gekostet?" Es schaut mich etwas irritiert an, ich glaube er hat nur sehr selten Besuch und meinte: "Von welchem Buffet hast du gegessen?" "Na, von welchem wohl? Von dem riesen, kunterbuntem Buffet, bei welchem trotzdem alles gleich, scheußlich schmeckt." Da nickte der Koch verständnisvoll und sagte lächelnd: "Ja, der Fraß hat mir auch nicht gemündet." Erstaunt von der Wortgewandtheit des Kochs, welche ihn mir tatsächlich sehr sympathisch machte musste ich mit ihm lachen. 

Er schien meine Enttäuschung über den, wie er ihn nannte "Fraß" zu teilen. Was aber postwendend mehr Fragen in mir aufwarf, als sie beantwortete. Ich sagte in einem von Irritation getränkten Wortlaut: "Ja, bist ez du der Koch oder net?!" Er meinte: "Doch ja, ich bin der Koch, sogar der einzigst richtige Koch." "Ja, aber warum kochst du dann Essen, welches dir nicht schmeckt? Wie soll das denn dann Jemanden anderen schmecken?" fragte ich. "Moment" erwiderte er, "wer sagt denn, dass ich diesen Fraß zubereitet habe?" "Hast du nicht?" "Nein, dieses Essen wurde von einem ehemaligen Lehrling von mir zubereitet. Der kann nicht mehr als diesen Einheitsbrei." "Ehemaliger Lehrling?" warf ich ein. "Ja, er hatte die Ausbildung bei mir abgebrochen. Er sollte sich nichts sagen lassen, konnte meine Tipps nicht annehmen und wollte von meinen Rezepten nichts wissen. Das Einzigste was er sich gut merken konnte, war das Verzieren, das Aufhübschen der Speisen, darin war er einer der Besten. Nur half ihm das nichts, da es einfach nicht schmeckte." erläuterte er.

"Aber warum schaufeln sich dann die vielen Anderen diesen Brei unaufhörlich in sich hinein?" fragte ich weiter. "Nun, das ist das Resultat der Verkümmerung, der Verdorbenheit des Geschmackssinnes derer, welche immer weiter schaufeln." entgegnete er mit einem bedauernden Ton. "Wenn sie sich von den bunten Farben leere Versprechungen machen lassen und blindlings darauflos schlingen, hat mein alter Schüler wohl sehr schnell einen großen Absatzmarkt gefunden. Schade eigentlich, verpassen sie doch den wahren Geschmack, die wahre Kost des Lebens." fügte er nach einem langem Seufzer an.

Allmählich begriff ich die ganze Geschichte. Dem Koch stand die Trauer deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich blickte etwas beschämt in der Gegend herum, ich wollte in dem Koch ja keine schmerzlichen Erinnerungen wecken. Da sah ich auf seinem Herd etwas köcheln. Plötzlich bemerkte ich auch den fabelhaften Geruch in der Küche. "Wahnsinn! Was riecht das lecker!" dachte ich." Etwas nervös wechselten meine Blicke zwischen dem köchelnden Topf und dem Koch hin und her und fragte den noch immer bedrückten Koch: "Hey, Koch! Was ist das da auf dem Herd? Hast du das gekocht?" "Joup! Das ist eine meiner berühmten Vorspeisen." meinte er und wirkte wieder etwas aufgehellt.

Mir lief das Wasser im Mund zusammen und mein Magen unterstrich dies mit einem lautem Knurren. Offensichtlich ist dieses Knurren auch nicht an dem Koch vorüber gegangen, lachte er doch und meine: "Willst du es noch einmal mit dem Einheitsbrei probieren oder willst du was gescheites essen?" "Boa, so genial wie das riecht, und wenn das so schmeckt? Darf ich davon kosten?!" bat ich ihn. Es drehte sich schweigend zu Seite, nahm einen tiefen Teller und füllte mir 3 Ganze Kellen seines gigantischen Löffels in den Teller. Er war randvoll als er ihn mir reichte. Ich konnte gar nicht warten, bis ich wieder an meinem Platz am Tisch bei den anderen saß, da musste ich schon probieren. 

Und ich sage euch, ich habe noch nie etwas besseres gegessen. Das ist das absolut, königlich beste Essen, welches meinen Gaumen je passiert hat. Meine Vorstellungskraft ist am Limit. Nichts geht über diese Vorspeise. Grandios! So grandios, dass ich gerade noch nicht einmal an die Hauptspeisen denke und normalerweise denke ich immer zuerst an die Hauptspeise. Aber ich wusste auch irgendwoher, dass die Hauptspeise noch nicht an der Zeit ist. Ich hab zwar gesehen, dass der Ofen an war, aber doch konnte ich nicht hineinblicken um zu sehen, was er da zubereitet. Doch bin ich mir sicher, dass er mich nun daran teilhaben lassen wird, wenn es soweit ist. "Welcher Koch würde denn nur eine Vorspeise servieren? Keiner, wenn dann, dieser gescheiterte Azubi, aber nicht der meisterhafte Koch der Vorspeise" dachte ich mir.

Voller Euphorie sprach ich zu den Anderen, welche noch den Einheitsbrei löffelten: "Hey, Leute, schaut mal, meine Vorspeise hier, das schmeckt viel besser als der Brei! Probiert doch mal!" Völlig aus dem Löffel-Konzept gerissen motzten sie: "Was? Das ist doch nur Suppe?! Also bitte.... Suppe... das ist doch was für Kranke, für welche, die nicht wissen was Geschmack ist." "Wie bist du den drauf, dass du Suppe isst?" rief ein Anderer. "Was ist aus dir geworden, dass du nun Suppe isst?" meinte wieder ein Anderer. Und ich, ich wusste mir nicht zu helfen.

"Geh doch weg mit deiner Suppe" rief ein Rot-Einheitsbrei-Esser mit vollem Mund. "Genau," plärrte ein Anderer rein, als er einen Löffel grünen Einheitsbrei hinab geschlungen hatte, "grüner Einheitsbrei, das ist etwas für wahre Leute mit Geschmack!" "Was? Grüner Einheitsbrei? Pfuibäh! Gelber Einheitsbrei, das ist was für Kenner!" Konterte ein Gelb-Einheitsbrei-Esser. Und mit der Zeit fanden sich immer mehr, welche sich in den Streit einklinkten und ihren Einheitsbrei als die einzig wahre Kost anpriesen. Dabei war ihr Geschmack rein von der Farbe beeinflusst, sie hatten keine Ahnung das sie alles das Gleiche aßen. Woher sollten sie es auch wissen. Für sie gab es nur einfarbigen Einheitsbrei. Und für die tatsächliche Kochkunst, für die tatsächlichen Kostbarkeiten des eigentlichen Kochs hatten sie keinen Gaumen.

Und ich? Ich habe lange versucht die Anderen von der Suppe kosten zu lassen, aber das machte es, so schien es, nur noch schlimmer. Irgendwann durfte ich dann nicht mehr mit ihnen an einem Tisch essen. War ich doch nur als Suppenschlürfer verschrien. Ich passte nicht mehr zu ihnen, meinten sie. Mir schmeckte ihr Einheitsbrei trotz alledem nicht, egal welche Farbe er hat. Und so sitze ich hier und schreibe meine Geschichte auf, in der Hoffnung, dass sie irgendwann jemand liest, der ebenfalls nach einem Löffel Einheitsbrei sein Gesicht verzog und meinte: "Bäh... igitt.... wie verkocht schmeckt  das den? 

Aber, dennoch lasse ich nicht nach,
Und ergäbe mich kampflos dieser Schmach, [ironie]

Dessen, keine Gemeinsamkeit mehr mit den Anderen zu haben,
Haben sie schließlich doch keine Ahnung von all den guten Gaben,

Welche sie stattdessen von ihren Teller essen könnten,
Und somit ihrem Leben wahre Köstlichkeiten gönnten.



servas & by niesreiz (original written by niesreiz)
Alle von mir geschriebenen Texte sind frei von copyright!